Interview mit Herrn Eckhard Bluhm, Gründer und Geschäftsführer der Bluhm Weber Gruppe – Rheinbreitbach (Kennzeichnungstechnik)

Herr Bluhm, können Sie unseren Lesern Ihr Unternehmen vorstellen?

„Die Bluhm Systeme GmbH ist Anbieter von Kennzeichnungstechnik und Teil der weltweit agierenden Bluhm Weber Gruppe mit mehreren europäischen Niederlassungen und zahlreichen Geschäftspartnern weltweit. Mit Gründung der Bluhm Systeme GmbH im Jahr 1968 in Erpel am Rhein wurde der Grundstein der heutigen Bluhm Weber Gruppe gelegt. Das Unternehmen feiert im nächsten Jahr sein 50-jähriges Bestehen. Was anfangs ein Ein-Mann-Unternehmen war, ist heute ein Unternehmensverbund mit 500 Beschäftigten.

In den fünf Jahrzehnten seit Gründung hat die Bluhm Systeme GmbH sich erfolgreich zu einem führenden Komplettanbieter von modernster Kennzeichnungstechnik entwickelt. Da fast jedes Unternehmen seine Produkte kennzeichnet, kommen unsere Kunden aus allen Branchen – Lebensmittel, Elektronik, Logistik, Chemie, Pharma und Automotive, um nur einige zu nennen – und sind über den gesamten Globus verteilt.

Dabei sind die Anforderungen an die Kennzeichnungstechnik sehr komplex: Die meisten Vorgaben kommen durch EU-Verordnungen, aber natürlich auch durch unsere Kunden selbst. Zudem stellt das Produkt als solches eine Herausforderung dar: Verpackungsformen und -materialien sowie Farben – all dies muss bei der Suche nach der passenden Lösung berücksichtigt werden. Unsere Antwort auf die vielseitigen Marktanforderungen sind individuelle, aber standardisierte Etikettier- und Beschriftungslösungen. Diese entwickeln, konstruieren und fertigen wir am Standort Rheinbreitbach. Wir decken alle Technologien ab: angefangen bei Laserbeschriftern und Thermotransferdirektdruckern über Tintenstrahldrucker auf Basis unterschiedlicher Technologien bis hin zu Etikettierlösungen.“

Die Bluhm Systeme GmbH wurde 1968 gegründet und hat sich bis heute sehr erfolgreich am Markt entwickelt. Können Sie die Entwicklung kurz beschreiben?

„Einer der Meilensteine war unmittelbar nach der Firmengründung das Sichern der Vermarktungsrechte von Weber Marking Systems Inc, USA in Deutschland. Gleich am Anfang durfte Bluhm auf der weltweit größten Messe der Verpackungsbranche, der Interpack, die Produkte auf einem großen US-Gemeinschaftsstand präsentieren. Wir konnten damals den Amerikanern zum ersten Mal zeigen, was ein lebendiger Messestand ist, und bekamen positives Feedback. Als im Anschluss der Vizepräsident aus dem US-Management uns einen Besuch abstattete, nutzte ich die Gelegenheit und warb für unseren ersten Firmenstandort, indem ich ihm dessen historische Bedeutung deutlich machte. Ich fuhr mit ihm auf das Plateau der Erpeler Ley und sagte zu ihm:

Da, wo du jetzt stehst, hat einst Eisenhower gestanden."

In unmittelbarer Nähe davon die berühmte ‚Remagen-Bridge‘.

Jetzt war er sich sicher, in uns den richtigen Partner gefunden zu haben, denn zentral gelegen, konnten wir von hier aus in alle Richtungen agieren.

1971 folgte die erste Baumaßnahme: Neuer Firmensitz ist Unkel am Rhein. Heute befindet sich dort unser Bluhm Gästehaus. Aber auch technologisch ging es damals voran: Mit den ersten elektronischen Nadeldruckern wird in den 70ern die Kennzeichnungstechnik revolutioniert. Erstmals können Produkte und Verpackungen automatisch und variabel gekennzeichnet werden. Zu diesem Zeitpunkt ist die Firma bereits 50 Mann stark.

Ein weiterer Meilenstein: 1980 gründen Weber Marking Systems Inc., USA und Bluhm Systeme GmbH das Joint Venture Weber Marking Systems in Deutschland. In den darauffolgenden Jahren eröffnen wir Niederlassungen in verschiedenen Ländern Europas. Schnell entwickelt sich die BluhmWeber Gruppe zu einem Branchenführer.

Die zunehmend komplexeren Kennzeichnungsanforderungen verlangen immer mehr und individuellere Lösungen, weshalb Bluhm Weber schließlich nicht mehr nur mit Kennzeichnungssystemen handelt, sondern diese auch selber entwickelt. 2009 wird der Firmensitz, der mittlerweile nach Rheinbreitbach verlegt wurde, mit einer Fläche von insgesamt 13.000 Quadratmetern die zentrale Entwicklungs- und Produktionsstätte. Die ehemalige Firmenzentrale in Unkel steht als Gästehaus in- und ausländischen Besuchern sowie Mitarbeitern aus aller Welt offen, die an Schulungen und Trainings teilnehmen.“

Wie schätzen Sie die aktuelle und künftige Entwicklung Ihres Unternehmens ein?

„Die Kennzeichnungstechnik offenbart vielschichtige Herausforderungen an unser Unternehmen, somit wird es nie langweilig. Hierzu gehören insbesondere die Exportherausforderungen, technische Entwicklungsaufgaben, organisatorische Aufgaben, wie die Einführung von SAP, Sondierungen bei Tochtergesellschaften, aber auch eine Vergrößerung des Firmensitzes in Rheinbreitbach.

Meine Nachfolge und damit die Fortführung der Firma konnte ich bereits regeln und sichern. Schon früh habe ich meine drei Söhne davon überzeugen können, wie spannend und interessant es ist, ein Unternehmen aufzubauen und weiterzuentwickeln. Hierzu bot sich die Gelegenheit, in drei wesentlichen Geschäftsbereichen meines Unternehmens jeweils einem meiner Söhne die Verantwortung zu übertragen. Drei Bereiche, drei Söhne. Jeder erhielt seinen eigenen Aufgabenbereich. Somit treten sie sich nicht gegenseitig auf die Füße.

Mein Lebenswerk ist gesichert und kann sich weiterentwickeln.“

Die Bluhm Weber Gruppe ist bekannt für ihr innovatives Mitarbeiterbeteiligungsmodell und die Gründung der Bluhm Fonds. Können Sie uns bitte hierzu nähere Informationen geben?

„Das Wohlergehen meiner Mitarbeiter und meiner Mitmenschen lag mir von Anfang an sehr am Herzen. Aus diesem Grund habe ich bereits 1980 ein Mitarbeiterbeteiligungsmodell ins Leben gerufen, durch das meine Mitarbeiter an dem Erfolg des Unternehmens partizipieren. Abhängig von der Ertragslage wird jedes Jahr ein Teil des Unternehmensgewinns als Mitarbeiterguthaben bei den operativen Gesellschaften als Verbindlichkeit eingebucht. Die dabei jährlich anfallenden Zinsen werden ausgeschüttet und der jeweilige Mitarbeiter erhält die Wahl, das Kapital auszuzahlen oder als Geldeinlage in Form einer stillen Beteiligung in die hauseigene Finanzierungsgesellschaft zu reinvestieren.

Besonders stolz bin ich auf die Gründung des gemeinnützigen Vereins Bluhm Fonds – Verein zur Unterstützung Notleidender und Bedürftiger e.V., an dem sich nicht nur die Unternehmerfamilie, sondern insbesondere auch Mitarbeiter und Freunde beteiligen. Mit etwa 60 Mitgliedern suchen wir ständig nach Einnahmequellen, um Notleidende und Bedürftige schnell und unkompliziert zu unterstützen. Dabei übernehmen wir zum Beispiel fällige Stromrechnungen, den Kauf einer dringend benötigten Matratze, Schulbücher, warmes Essen in Schulen. Wir haben sogar die Transport- und Zollkosten einer ausrangierten, aber voll funktionstüchtigen und dringend benötigten Geburtsstation in den Kongo übernommen.“

Wie kamen Sie in Kontakt mit UHY?

„Seit Anfang des 21. Jahrhunderts werden wir von UHY vornehmlich in Steuerfragen und bei der Erstellung und Prüfung von Jahresabschlüssen betreut.

Ich schätze die steuerliche und betriebswirtschaftliche Beratung durch UHY sehr. Angesichts der vielseitigen und komplexen Strukturen, die sich aufgrund unseres Geschäftszweiges und durch die Globalisierung ergeben, ist UHY immer eine vertrauensvolle und wichtige Stütze für unser Unternehmen.“

Wir danken Ihnen für das Gespräch und das uns entgegengebrachte Vertrauen, Herr Bluhm, und wünschen sowohl Ihnen als auch Ihrem Unternehmen für die Zukunft weiterhin viel Erfolg!

Themenübersicht

AllgemeinesHGBSteuernArchiv