Interview mit Dr. Jan Michel, CFO der 3B Pharmaceuticals GmbH

Herr Dr. Michel, könnten Sie unseren Lesern einen kurzen Überblick über die Unternehmensgeschichte der 3B Pharmaceuticals GmbH geben?

 „Die 3B Pharmaceuticals (3BP) wurde im Jahr 2008 als GmbH gegründet. Die Gründer stammten seinerzeit aus Berlin, Basel und Bern, was den Ursprung des Namens der Gesellschaft erklärt. Zentrales Vorhaben ist seitdem die Entwicklung von Wirkstoffen aus der Klasse der Peptide für Anwendungen in der nuklearmedizinischen Onkologie. Es werden Substanzen identifiziert, welche Tumorgewebe selektiv erkennen, sich dort anreichern und Tumore mit Hilfe eines gekoppelten Radioisotops sowohl in der bildgebenden Diagnostik sichtbar machen als auch zerstören können.

3BP ging aus der Jerini AG hervor, ein börsennotiertes Biotechnologieunternehmen, das 2009 vom britischen Pharmaunternehmen Shire akquiriert wurde. Damals konnte im Rahmen eines Management Buyouts ein großer Teil der Jerini Technologieplattform zur weiteren Nutzung bei 3BP erworben werden. 3BP wurde im Frühjahr 2010 im Technologiepark Berlin-Adlershof angesiedelt und beschäftigt mittlerweile zwanzig Mitarbeiter.“

Wie schätzen Sie die aktuelle und künftige Entwicklung in Ihrer Branche ein?

„Die medizinische Biotechnologie bringt in Deutschland immer wieder interessante technologische Innovationen und Produktkandidaten hervor. Da diese typischerweise entweder auf relativ frühen Wertschöpfungsstufen auslizensiert oder die beteiligten Unternehmen nach Erreichen erster Erfolge verkauft wurden, ging historisch der Großteil der Wertschöpfung aus der späteren Produktvermarktung an der Branche in Deutschland vorbei. Entsprechend hat sich bis heute kein im internationalen Vergleich bedeutsamer Biopharmazie-Branchenprimus in Deutschland herausbilden können. Die Branche wurde und wird von Unternehmen aus den USA dominiert, und es ist nicht davon auszugehen, dass sich dies auf absehbare Zeit ändert.

Aktuell und zukünftig wird es in Deutschland prosperierende Biotechs geben, die jedoch überwiegend die Rolle von Ideenlieferanten für die großen internationalen Player spielen. Dies wird sich übrigens auch in anderen innovativen Industrien nur ändern, wenn Deutschland eine funktionierende Finanzierungsinfrastruktur für solche Unternehmen etablieren und/oder in vielgrößerem Ausmaß ausländisches Kapital anziehen kann.“

3B Pharmaceuticals GmbH hat jüngst sehr erfreuliche Nachrichten vermelden können, welchen Partner konnten Sie gewinnen?

„Im Januar konnten wir das am weitesten fortgeschrittene Entwicklungsprogramm an die französische Ipsen Pharma Gruppe auslizensieren. Es handelt sich um ein kombiniertes Therapeutikum/Diagnostikum zur Anwendung u. a. bei Bauchspeicheldrüsenkrebs. Seit der Aufnahme des Geschäftsbetriebs im Jahr 2009 stellte dieser Abschluss das wichtigste Einzelereignis in der Firmengeschichte dar. Bemerkenswert daran sind vor allem drei Aspekte:

 1) Die auslizensierte Substanzfamilie ist von der Idee komplett in-house entwickelt worden, was das innovative Potential des Unternehmens unterstreicht.

2) Der finanzielle Impact für 3BP ist beachtlich: So können aus der Vereinbarung meilensteinabhängig  Zahlungen  von  bis  zu Mio. EUR 82 zuzüglich einer Umsatzbeteiligung im Fall der Markteinführung von Arzneimitteln oder Diagnostika an 3BP fließen.

3) Mit dem Deal lieferte 3BP die erfolgreiche Umsetzung  der im Businessplan des Jahres 2008 erstmals entwickelten Strategie.“

Wo sehen Sie Ihre Stärken im Markt?

„Die Stärke von 3BP liegt in einer Technologieplattform, die es ermöglicht, ohne technologischen Input Dritter Wirkstoffkandidaten zu synthetisieren, zu optimieren und Patentschutz beantragen zu können. Auch profitiert das Unternehmen von verschiedenen vorteilhaften Charakteristika des Marktes für radiopharmazeutische Wirkstoffe und Diagnostika. So sind die frühen Phasen der Wirkstoffentwicklung hier vergleichsweise kostengünstig zu realisieren. Im Moment gibt es global nur sehr wenige Player, die mit innovativen Therapieansätzen in diesem Segment aufwarten können, d. h. der Wettbewerb ist überschaubar. Auf der anderen Seite hat das kommerzielle Interesse an der Nuklearmedizin seitens der Pharmaindustrie sowie von VC-Investoren in den vergangenen zwei Jahren deutlich zugenommen. Auslöser dafür waren u. a. die Zulassung und der erfolgreiche Markteintritt des Radiopharmazeutikums Xofigo® durch Bayer sowie unlängst der Börsengang der Advanced Accelerator Applications (“tripple A“) AG.“

Was sind die weiteren Ziele und damit einhergehende Herausforderungen? An welchen weiteren Projekten arbeiten Sie derzeit?

„Ziel und Herausforderung zugleich für die kommenden Jahre wird sein, den mit dem kürzlich auslizensierten Projekt erzielten Erfolg wiederholen zu können. Hierzu arbeitet 3BP an mehreren technologisch ähnlichen Entwicklungsprojekten, die andere Krankheitsgebiete in der Onkologie adressieren. Parallel wird das Service-Geschäft des Unternehmens ausgebaut, welches in der Vergangenheit bereits wichtige Deckungsbeiträge zur Finanzierung der eigenen Forschung geleistet hat.“

Wie sind Sie in Kontakt mit UHY gekommen und wobei kann und konnte UHY die 3B Pharmaceuticals GmbH besonders unterstützen?

„Im Jahr 2009 wurde von uns eine Kanzlei gesucht, die mit den Usancen in der Biotechnologiebranche vertraut ist, vor Ort in Berlin vertreten ist, und die in einem vom Start weg globalen Geschäft unter Einbeziehung eines Netzwerks kompetent beraten kann. Dies galt beispielsweise für den aus patentrechtlichen Gründen erforderlichen Aufbau und die spätere Auflösung einer Betriebsstätte in Polen, ein Prozess bei dem uns UHY besten unterstützen konnte.“

Was reizt Sie persönlich an Ihrer Tätigkeit?

„Auch wenn die Produktzyklen in der Pharmabranche zermürbend lang sind, so handelt es sich dennoch um eine außergewöhnlich erfolgreiche Industrie. Sie bringt basierend auf einer sehr produktiven Grundlagenforschung immer wieder grundsätzlich neuartige Arzneimittel hervor, die Menschen mit lebensbedrohlichen oder schlicht unangenehmen Erkrankungen tatsächlich helfen. Die intellektuelle Herausforderung in Forschung und Entwicklung in Verbindung mit dem Nutzen der Produkte für die Patienten machen die Arbeit in der medizinischen Biotechnologie so faszinierend. Und in diesem Punkt spreche ich sicherlich für alle Mitarbeiter bei 3B Pharmaceuticals.“